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Und mit einmal merken wir, dass hier nicht nur ein
Ornament oder ein Schmuckbedürfnis zu
neuem Leben erwacht,
sondern eines jener Visionen, wie sie in allen Kulturen, in der Frühzeit
und Hochblüte nur sublimer Gestalt sich zeigte. Im W.W.W. entsteht ein
Stau; zu viele wollen plötzlich an die spirituelle Quelle, talentiert,
begeistert, erfinderisch von wilden Stilen überzeichnet explodiert ein
dimensioniertes Flechtwerk, es wird Zeichen, ein Wort fast; alle
konventionellen Vorbehalte waren zerbrochen durch eine Art elementarem
Formentanz, wie ich ihn niemals vordem und nachher gesehen.
Und an diesem ungeheuren, aus der Tiefe
aller Völker aufbrechenden Reichtum konnte ich zum ersten Mal ermessen,
wie viel Leidenschaft und Hoffnung diese einzelnen fremden Welten durch
die Zeit ins Spiel brachten.
Die Versuchung ist groß, dem Ornament zu
huldigen, über seine Bedeutung und seinen Nutzen zu polemisieren oder es
einem Versprechen zu widmen. Das Wesen des Ornamentes begreifen wir in
besonderer Weise, wie der Künstler, der am allgemeinen Geist teilhat,
Geistiges hervorbringt. Auf Grund seiner „normalen und kreativen Gesten"
zeigt sich die Reduktion in den speziellen Werken der Ornamentik als
Stilisierung, als Steigerung spezifischer Art, und sie weist auf die
positive Bedeutung der Form, die Wiederkehr des Gleichen hin. Man kann
leicht in dieser kunsthandwerklichen Position, wo Präzision und
Sicherheit, Normativität und Wiederholung auf die gleiche Ebene gebracht
werden, den Ursprung jener ausdruckspsychologischen Anstrengung finden,
die auf das Feld der Kunst von Geisteskranken mündet. Die Lehre von den
„geistesdefekten" und „Leistungsverwandlungen" wurde auf die
psychiatrische Biographik projiziert und die Symptomatik einem
Merkmalregister verbunden. So entstand ein eigenartiges Verfahren,
völlig abgelöst der kunstwissenschaftlichen und bildtheoretischen
Diskussion der Epoche.
Verbindungen herstellen, Türen zu öffnen
und Werfe zu entdecken kann im Namen der Menschlichkeit geschehen, kann
Wissen und Verstehen fördern - und Freiheit schenken. Aber auch Diebe
öffnen Türen und suchen Schätze, und Hochstapler sind Meister der
Kommunikation!
Endlich die ganze Schönheit des
Ornament-Beweises in Funktion erleben. Doch was spornt die Ornament -
Konstrukteure dann zu imaginativen Strukturen an? Welche verborgene
Dynamik bringt die Vorstellungskraft in Fluss? Ein fast poetischer
Zauber entfaltet sich mit einem Farberlebnis und schwingt in einer
Spannungslinie aus kalligraphischen Zeichen zu einem erotischen Tanz.
Ich verfolge die Variablen wie Rhythmen und Melodien - ihnen jage ich
nach und versuche während dieses Tanzes eine Struktur zu finden die mich
weiterführt. „Die Imagination selbst gibt einem schließlich das Gefühl,
dass man auf dem richtigen Weg ist". Erst wenn das „Wesen" des
Ornamentes erfasst sei, entfalte sich der Stil, seine wahre Schönheit.
Schönheit ist ein Wort, das die Künstler
gern verwenden, wenn sie etwas für zugleich wahr und einfach halten. Im
Moment der Darstellung scheint mancher Künstler dabei gar körperlichen
Genus zu verspüren.
Jeder echte Zeichner hat diesen Zustand
konzentrierter Begeisterung schon erlebt, bei der sich eine Linie wie
durch ein Wunder zur anderen fügt. Im Unterschied zum sexuellen
Vergnügen konnte dieser Zustand Stunden, ja Tage anhalten.
„Plötzlich, völlig unerwartet, hatte ich
diese unglaubliche Sicherheit. Es war so unbeschreiblich schön, es war
so einfach und so klug. Als Höhepunkt der ornamentalen Herausforderung
indes gelten Eingeweihten jene Darstellungsformen, bei denen die Grenzen
zwischen Konstruktionsprozess und Imagination zu verschwimmen scheinen.
Wir beginnen zu ahnen, dass die innere
Welt ihrem Wesen nach - synästhetische Mathematik zu sein scheint.
„Ein globales und humorvolles Portrait
moderner Liebe" Eine hohe , klare Schwingung von etwas, das nach
epischer Freude klingt. Der Maler wieder im Dienst des Geistes.
Wir begeben uns mit der ornamentalen -
erotischen Konzeption auf ein Gebiet, wo Worte und Imaginationen
verschmelzen und die Regeln der Logik und der sinnliche Eindruck der
Farben einem Geisteszustand weicht, der sich nur als ekstatisch
beschreiben lässt. Ein Geist, der mit einem selbst entworfenen Spiel
befasst ist und dessen Abschluss verzögert wird.
Duchamp, der zu sagen pflegte, dass der
Künstler niemals richtig wisse, was er tue oder warum - - - -
„Ich glaube, dass die Kunst die einzige
Form von Aktivität ist, bei der der Mensch sich als wahres Individuum
erweist."
Wenn unsere Malerei auch nicht im
Entferntesten als das berühmteste Kunstwerk einer globalen Kultur gelten
kann, so ist es vielleicht doch das prophetischste. Unsere ornamentale
Erotik gehört zu den Urquellen des konzeptuellen Ansatzes, der die
globale Vernetzung im neuen Jahrtausend schließlich dominieren wird, ein
Ansatz, der die Kunst in erster Linie als mentalen und weniger als
schlicht visuellen Akt definiert. In dem Duchamps souveräner Ikonoklsmus
die Trennung zwischen Kunst und Leben einriss, öffnete er den visuellen
Künsten das Tor zu Imagination. Uns interessiert vor allem Freiheit -
völlige persönliche, intellektuelle und kreative Freiheit.
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